Begegnung mit Servas-Leuten in Nizza und Antibes

* von Hedwig Seyr-Glatz *

Anfang Juni 2011 fuhren wir,Hedwig Seyr-Glatz und Angelika Mairose-Parovsky, beide pensionierte Französichlehrerinnen und infolgedessen beinahe fanatisch francophile, an die Cote Azur.

Zuerst stand Nizza auf unserem Programm, wo wir in einer eingetauschten Wohnung mit Jasmin- Zitronenblütenduft mediterranen Flair vom Feinsten genossen. Wir betreuten Katze Poumba und Fische im Miniteich, während die „Nicois“ von unserer Wohnung aus (mein Mann Lorenz residierte dankenswerterweise in seinem Elternhaus) Wien entdeckten. Wir trafen uns mit einer Servas-Freundin aus NÖ, die grade in Cannes ihr Quartier aufgeschlagen hatte, und begegneten Pierre Boussard, einem langjährigen Servas-Mitglied, der uns zwar nicht unterbrignen konnte, aber uns kennenlernen wollte, und der zwar die halbe Welt bereist hatte, aber noch nie in Österreich war. Klar wurde er von uns herzlich eingeladen, nach Wien zu kommen. Das wichtigste Wort, das wir von ihm gelernt haben: bourlinguer, das heißt sowas wie herumstrawanzen.
Der Höhepunkt unserer Reise war dann der Aufenthalt bei den Servaslern Christine und Francois in Antibes, 20 km von Nizza entfernt, wo uns der 1,- Euro-Bus zwar nicht schnell und bequem, aber doch sicher hinbrachte (Tipp 1).

Beide leben nach dem Zusperren ihrer Firmen vom Zweitberuf, Francois ist nach Jahren als technischer Angestellter nunmehr ebeniste, d.h. Möbeltischler und Christine ist nach Pharmazeutin jetzt Tagesmutter. Das Haus aus den 40er Jahren mit einem Garten, voll von (für uns) seltenen Obstbäumen wie Kumquat oder Mispeln, mit einer eigenen Garconniere für Gäste und mit einem riesigen Swimmingpool liegt am Stadtrand und enthält gleichzeitig ihre Arbeitsplätze, ein „atelier“ und einen Kinderspielplatz.
Als Aperitif gab es einen köstlichen selbstgemachten Orangenwein und und als „Digestif“ jede Menge Bilder von ihrer erst ein Monat vorher beendeten 5-monatigen Reise. Dazu viele Erzählungen über Servas-Freunde. Somit waren wir an diesem Abend nicht nur in Frankreich, sondern auch ein wenig in Kambodscha, Neuseeland, Australien, Kalifornien.
Für den nächsten Tag bekamen wir Wanderkarten und jede Menge Tipps für Unternehmungen. Wir erlebten, dass der als gefährlich angekündigte Küstenweg um das Cap herum – Danger de mort – gut abgesichert ist und die Öffis an der Cotes Azur nicht so schlecht sind wie ihr Ruf. In einem Ökopark bestaunten wir ein in voller Blüte duftendes Rosarium und eine Villa aus dem 19. Jh., in der wir völlig unbehelligt – der Gardien machte grade Mittagspause – umherspazierten und herrliche Räumlickeiten mit phantastischem Blick auf das Meer sowie edles Mobiliar bewunderten (Tipp 2).

Abends luden wir Christine und Francois in ein Fischrestaurant ein. Wir verstanden uns bestens, selbst das hektische Getriebe konnte uns nicht aus unserem Gesprächsfluss über Familie, Reisen, Lebensarten und natürlich Servas bringen und uns von den köstlich zubereiteten Fischgerichten ablenken. Über französische Innenpolitik wollten sie verständlicherweise nicht sprechen. Die Affäre DSK ist allzu peinlich. Wir konnten sie trösten mit ähnlichen Beispielen aus der österreichischen Politik.

mit Servas hosts in Antibes

Am dritten Tag wurden wir von Christine per Auto zur zentralen Busstation chauffiert, obwohl wir uns durchaus schon mit den Buslinien auskannten.
Wir hoffen, dass unsere Gastgeber demnächst nach Wien kommen und wir sie auch betreuen dürfen. Versprochen haben sie es fürs nächste Jahr.
Im übrigen meine ich, sollte man/frau nur mehr Wohnungen tauschen oder Servas-Leute besuchen oder empfangen, wenn sie die Reiselust packt (Tipp 3).

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