Zu Gast bei SERVAS Italien – eine erlebnisreiche Nationalversammlung!

SERVAS Italien hatte die benachbarten SERVAS-Länder eingeladen, einen Repräsentanten zur diesjährigen Nationalversammlung vom 8.-10. April in Sant’Andrea Bagni bei Parma zu schicken. Dieser Einladung sind schließlich Susana Martinez, Jugend-Koordinatorin von SERVAS-Spanien, und ich stellvertretend für Dorothea gefolgt.

Am Freitag 8. 4. reiste ich mit einem ÖBB-Sparschieneticket von Linz nach Verona, wo ich von Ermanno Gaiga, dem national secratary von SERVAS Italia, und seiner Schwester Laura Gaiga abgeholt wurde. Während der Autofahrt von Verona nach Sant’Andrea Bagni hatte ich schon muntere und interessante Gespräche mit den beiden sehr sympatischen und freundlichen SERVAS-Mitgliedern. Ermanno erklärte mir auch die Beweggründe für die Einladung der SERVAS-Nachbarländer und erzählte mir von den weitreichenden Entscheidungen, die bei SERVAS Italien anstehen – dazu dann später. In Sant’Andrea Bagni wurden wir von den bereits Anwesenden aufs Wärmste empfangen, und mir wurde das Ausmass einer italienischen „Assemblea Nazionale“ bewusst: Insgesamt nahmen 140(!) SERVAS-Mitglieder daran teil – das gleicht schon einem SERVAS International General Assemly, das im Schnitt alle 3 Jahre stattfindet (zuletzt 2015 in Neuseeland, und das nächste Mal wahrscheinlich in Südkorea).

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Terme di Sant’Andrea Bagni            und               das Wasserschloss von Fontanellata

Am Samstag Vormittag gab es 3 Ausflugsvarianten (ich machte bei einer Führung durch die nahegelegene Rocca von Sanvitale in Ort Fontanellata mit). Am Nachmittag folgten die Workshops und die jeweils 20-minütigen Präsentationen, die Susana und ich über unsere eigenen SERVAS-Länder vorbereitet hatten. Da ich zum ersten Mal in meinem Leben ich einen Vortrag auf Italienisch hielt, hatte ich doch ein wenig Lampenfieber, aber Anna Cristina Siragusa war mein rettender Engel für den Notfall, und so fanden die Vorträge von Susana und mir doch recht guten Anklang. Weitere Vortragende berichteten von Veranstaltungen für die SERVAS-Jugend und Raffaela Rota erzählte von Aktivitäten mit Flüchtlingen in Bergamo. Nach dem gemütlichen Abendessen gab es Live-Musik und Gruppentänze, bis wir müde ins Bett gingen.

Am Sonntag Vormittag wurde dann über wichtige Änderungen bei SERVAS Italien entschieden. So wie SERVAS Italia vor 10 Jahren erstmals Hostlisten in PDF-Form eingeführt hatte und damit die Ablöse der gedruckten Hostlisten vorangetrieben hatte, möchte es diesmal das „Pionierland“ für die neue Struktur mit SOL (SERVAS Online) sein, das heuer endgültig eingeführt werden soll. Damit ergeben sich für SERVAS Italien einige Änderungen, die nach teils lebhaften Diskussion beschlossen wurden:

  • keine Hostlisten mehr in Papierform, auch nicht mehr für die landes-eigenen Mitglieder (das ist bei uns schon seit 2013 der Fall)
  • Umstellung von Familienmitgliedschaften auf Einzelpersonen
  • zwecks Vereinfachung der Verwaltung gelten die italienischen Mitgliedsbeiträge zukünftig nur noch fürs laufende Kalenderjahr, also nicht mehr 365 Tage ab Ausstellung (wie wir es mit unseren Reisebeiträge halten – jährliche Mitgliedsbeiträge im eigentlichen Sinn haben wir ja nicht)
  • Abschaffung der SERVAS-Reisemarkerl: mit dem Mitgliedsbeitrag hat man/frau auch das Recht auf einen LOI. Dazu wird noch dieses Monat die Zustimmung von SERVAS International eingeholt werden – das wird uns in Zukunft sehr wohl betreffen!

Wir können also gespannt sein, was sich in nächster Zeit diesbezüglich ändern wird!

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Abgesehen von diesen administrativen Dingen darf ich euch ein paar herzliche Einladungen überbringen (Details siehe http://servas.org/events-and-meetings.php):

  • SERVAS BY BIKE 2016 von Ravenna nach Rimini 2.-4. Juni 2016
  • Servas International Summer Camp 2016, Puerto de Santa Maria, Cadiz, 21.-28. August
  • Jugendtreffen (18-30 Jahre) in Apulien „Nature, Culture and Italian Flavours“ 3.-7. September

Weitere Treffen:

  • Meeting im Zeichen des Tangos auf der Insel Elba
  • Die Anmeldung Alpe-Adria-Meeting Mitte September wird übrigens bald möglich sein!

Allen Italophilen unter uns empfehle ich auch das Notiziario von SERVAS Italien. Die letzte Ausgabe befindet sich auf Notiziario_1_2016 (bzw. auf http://servas.it/tiki-list_file_gallery.php?view=list&galleryId=70, event. noch Button „Elenco immagini“ und dann auf Notiziario_1_2016 klicken)

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Während der Zugreise hatte ich übrigens auch ein paar Migrationserlebnisse:

  • Schwarz-Fahrer: Bei der Zugfahrt von Linz nach Innsbruck hatten zwei gegenüber sitzende junge Männer, dem Aussehen nach aus dem Nahen Osten, keine Fahrkarte. Da die beiden nicht kommunizieren konnten oder wollten, war der Schaffner leicht genervt. Beim Weitergehen meinte er: „Jetzt muss ich deswegen auch noch die Polizei holen“. Das war schon in der Gegend von Wels. Ich war schon gespannt, was passieren würde, aber weder in Salzburg, noch bei der Endstation in Innsbruck war ein Polizist zu sehen. Der Schaffner hatte offensichtlich auf eine Intervention verzichtet.
  • Grenzkontrolle: Bei der Rückfahrt von Verona ging eine Gruppe von 5 Polizisten durch den Zug und fragte alle Personen, die nicht europäisch aussahen, nach dem Reisepass. Am Brenner stiegen sie dann mit einer Gruppe junger Männer aus, die wohl ohne Dokumente nach Deutschland wollten (die Endstation dieses Zuges wäre nämlich München gewesen).
  • Arbeits-Los: Kurz vor Innsbruck unterhielt sich ein etwa 30-jähriger Italiener mit einer älteren Landsfrau und Touristin und erzählte ihr, dass er in Deutschland Arbeit suchen wolle, weil es in Italien unmöglich sei, Arbeit zu finden. Auf die Frage, wo er denn arbeiten werde, erklärte er (immer auf italienisch), dass er es noch nicht genau wisse, aber er habe erfahren, dass viele Italiener in München wohnen, und er werde sich dort herumhorchen, vielleicht wisse ja einer seiner Landsleute einen Job für ihn …

Herzliche Grüße!
Walter

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