Tatra-Alpe-Adria-Meeting und Wandertage

18-20.9. und  21.-24.9. 2015
in der Hohen Tatra
* von Hedwig Seyr-Glatz *

Die Idee, mit ServasfreundInnen zu wandern, entstand in den Köpfen von Walter und mir im Zuge einer Wanderwoche mit slowakischen Lehrern im August 2014 in der Hohen Tatra. Da begann auch gleich die Suche nach einem geeigneten Quartier, und wir wurden mit der Pension Polana bald fündig. Der Ort Stary Smokovec (900m hoch gelegen) schien uns geeignet: Verkehrsknotenpunkt von Öffis, gute Ínfrastruktur, direkte Aufstiege per pedes und per Bahn auf die Berge möglich.

Zuzana P., die slowakische Servaspräsidentin, war sofort einverstanden. So entwickelten wir dann gemeinsam die Idee weiter, gleichzeitig mit einem Alpe Adria Meeting auch Wandertage zu organisieren.

Gedacht, gesagt, getan.

Die Verhandlungen mit der Pensionchefin gingen rasch voran.

Die von Lorenz gestaltete, von Doro und Eva übersetzte, von mir ausgesandte Einladung samt Anmeldungsformular stieß gleich auf großes Interesse.

Schließlich meldeten sich 60 Leute an. Es nahmen dann tatsächlich 50 Servasse aus 11 Ländern am Wochenendmeeting, 35 an den Wandertagen teil.

Freitag: Den Empfang am 18. September vor der Pension Polana bei strahlendem Wetter mit immer noch sommerlichen Temperaturen gestalteten wir mit Hilfe von Zuzana auf slowakische Art: mit Brot, Salz, Käse und natürlich bestem Slivovica.

Am Freitag-Abend erfuhren wir in einem Vortrag eines jungen Mannes vom slowakischen Naturschutz, dass es sich hier um Urgestein und den kleinsten Gebirgsstock Europas handelt; der Windbruch vor 11 Jahren große Schäden angerichtet hat, die Baumruinen wegen des Naturschutzes nicht weggeräumt werden, daher der Borkenkäfer recht aktiv ist und nicht zuletzt, dass Bären hier häufig anzutreffen sind; entweder findet man seine Fuß- oder Verdauungssspuren, oder man hört Geschichten, sofern man des Slowakischen mächtig ist, von Begegnungen der Einheimischen mit ihnen. Peter konnte einen davon mit einem kreativen Spiel zähmen. Füchse warten an besonders schönen Aussichtspunkten auf die Touristen und stehen ihnen Modell, wie man auf den Fotos sieht.

Nach dem Vortrag kamen unsere MusikerInnen zum Zug: Elisabeth mit ihrer Gitarrenbegleitung leitete uns an, die Lieder zu singen. Christoph spielte mit Klarinette und Ziehharmonika auf und brachte uns damit in Schwung.

Samstag Vormittag: erste Bekanntschaft mit den Tatra Höhen: Hrebienok teils per Bahn, teils zu Fuß; darauf hin eine kleine Wanderung zu den nächsten Hütten.

Nachmittags dann gab es einen Ausflug ins Museumsdorf Pribylina, wo Bürger- und Bauernhäuser sowie eine Kirche und ein kleines Schloss, die man im Zuge eines Stauseebaus in den 80er Jahren hierher verfrachtet hatte, zu einem kleinen Dorf gestaltet wurden. Zwei nette junge Leute in slowakischer Volkstracht erklärten uns in englischer Sprache das Wesentliche über die slowakische Volkskultur. Wir lernten auch die Herstellung von Schafwolle kennen, manche von uns versuchten sich sogar im Kämmen des sperrigen Materials.

Abends gab es slowakische Volksmusik, die uns nach den ersten Klängen bereits zum Tanzen anregte. Alle, die das Tanzbein juckte, kamen in Bewegung. Der Spaß daran war unübersehbar.

Sonntag fuhren wir gemeinsam per Straßenbahn – was Besonderes in der Hohen Tatra , recht modern und praktisch – zum Hauptort Strbske Pleso. Wanderung im Nebel rund um den hübschen Bergsee für die weniger Geübten und baldige Einkehr in eine typische slowakische Chata=Hütte, wo wir die Nationalspeisen wie Brynsové Haluski, Pyrohy, palaciny, buchti, knedly usw. ausprobieren konnten.

Die Wandermutigen gingen trotz Regen, der sich kurz darauf verzog, zum Wasserfall Skok, wo Christoph seine Klarinette auspackte und ein Ständchen erster Klasse „zum Niederknien schön“ gab: die Bergwelt, der Wasserfall, die Gämsen und wir sind ihm ewig dankbar dafür. Einige waren davon so gestärkt, dass sie sogar noch weiter zu den höher gelegenen Seen aufstiegen und dort den Anblick der richtigen Tatrabergwelt mit den wilden Gipfeln bei ziemlich frostigen Temperaturen genossen. Ein paar Sonnestrahlen zum Ende der Wanderung waren die Belohnung fürs Durchhalten =vydrzat auf Slowakisch, ein Wort, das in dieser Gegend in den letzten Jahrzehnten sehr wichtig war und vielleicht noch immer ist.

Die BesucherInnen des Alpe Adria Wochenend-Treffens verabschiedeten sich im Laufe des Sonntags und reisten in alle Richtungen nach Hause.

Am Sonntagabend kam endlich Peter zum Zug: Welcom, Unikum und seine kleinen, feinen, materialarmen und ideenreichen Spielchen wurden unter seiner kundigen Anleitung genossen.

Montag ging es zum Poprader See, zuerst wieder mit der Tram, dann zu Fuß auf einem Sträßchen hinauf, wovon sich die schnellere Gruppe unter Walters Führung abseilte, sich auf den Waldweg begab und die Rysihütte anstrebte. Die anderen bewunderten bald auf dem symbolischen Bergwandererfriedhof die bunt verzierten Holzsäulen, die ähnlich in anderen Kulturen zu finden sind, und die in die Felsen eingeschlagenen Gedenktafeln.

Bald danach kamen wir zum See, den wir bei Sonnenlicht genießen durften. Eine Gruppe war bereit auf den nächsten Sattel aufzusteigen und wurde belohnt mit herrlicher Aussicht auf Seen und steile Gipfel. Abends erzählten die „Harten“ von ihrer Tour zum Rysihaus, den Gipfel, den angeblich vor Jahrzehnten Lenin bestiegen hatte; den sahen sie nicht, dafür aber jede Menge Gämsen sowie das höchste Bergklo über schwindererregendem Abhang mit traumhafter Aussicht.

Dienstag, der zweite Wandertag, war geprägt vom allerschönsten Herbstwetter. Der grüne See war unser Ziel und wir sahen nach zweieinhalbstündiger Wanderung auf gemütlichem Weg und nachdem die Sonne wieder hinter dem Gipfel hervorgekommen war, dass er eigentlich Smaragdgrüner See heißen sollte.

Die Berfexe machten sich auf den Weg über den Murmeltiersattel auf die andere Seite zur Lomnicker Seilbahn, die sie mit knapper Not erreichten. Es war eben gar so schön dort oben und daher vergaßen sie an eine letzte Talfahrt zu denken. Der Weg war außerdem ziemlich schwierig, er ging über steiles Geröll, erzählten so manche.

Am Mittwoch, dem dritten Tag, gingen Walter und Lorenz mit einer Gruppe zum schlesischen Haus und ich mit den Gemütlicheren den kalten Bach hinauf, vorbei an Himbeer- und Heidelbeerstauden, jeder Menge vom Borkenkäfer befallenen Bäumen und mehreren wunderschönen Wasserfällen zur Bilikova Hütte, die uns köstliche slowakische Speisen bot. Nach dem Abstieg, teils per Standseilbahn, vergnügten wir uns noch in Stary Smokovec, vor allem schätzten wir die leckeren Kuchen und Torten in der Konditorei. Knut saß dann ein paar Minuten ganz ruhig vor der Bergkulisse und und was entstand dabei? Ein wunderschönes und sehr freundliches Gedicht!.

Einige von uns verbrachten immer wieder gemütliche Stunden im Schwimmbad des benachbarten Hotels, besuchten die schönen Kulturdenkmäler der Gegend oder genossen die Sauna und Massagen in der Pension Polana.

Auch an den Abenden der drei Wandertage wurde gespielt, gesungen, musiziert, getanzt, sich unterhalten, kennengelernt, Pläne für Besuche und Reisen ausgetauscht und am letzten Abend Johannas Geburtstag gebührend gefeiert, somit Friede durch Freundschaft geübt.

Und vielen Dank an alle, die mitgewirkt haben, dass diese Woche so harmonisch ablaufen konnte, möchte ich unbedingt noch sagen:

allen voran an Zuzana, Kveta, Walter, Doro, Lorenz, Eva, Peter, Elisabeth, Christoph und an alle TeilnehmerInnen.

Der Dank gilt auch der Chefin der Pension, Frau Jana G., mit der ich über Monate hinweg in angenehmer Weise korrespondiert hatte, und ihren Angestellten, die sich erfolgreich um unser Wohlbefinden bemüht haben.

Es lebe Servas! Friede durch Freundschaft!

 

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Eine Antwort zu Tatra-Alpe-Adria-Meeting und Wandertage

  1. Johanna sagt:

    Wie schön dein Bericht, liebe Hedwig!
    Auf zu neuen Gipfeln! Aber auch in den Tälern lässt es sich gut leben…
    Happy New Year- Knut und Johanna (z.Zt. in Frankreich am Atlantik)

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