SERVAS-Treffen in Uppsala & „From War To Peace“

Manda Björling, eine pensionierte Lehrerin aus Uppsala, war von den SERVAS-Weihnachtstreffen in Israel 2014 und „Peace in Nature„-Treffen in Umbrien im April 2015, an denen sie mit Freunden teilgenommen hatte, so beeindruckt, dass sie sich entschlossen hatte, zu einem derartigen Treffen auch in Schweden einzuladen.

Meine Gattin Birgitt und ich hatten das Glück, zu den 30 TeilnehmerInnen zu gehören, die diese Augustwoche in Uppsala erleben durften. Am Hof der Familie Mårs mit den typischen falunrot gestrichenen Holzhäusern gab es eine herzliche Willkommensparty, bei der wir mit einem abendlichen Buffet empfangen wurden.

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Unsere Organisatoren, Manda Björling und Harley Thomas, vor Mårs‘ Gartenhaus

Alle TeilnehmerInnen erhielten eine Tasche mit Hilfsmitteln für die kommenden Tage, darunter ein Namensschild, eine gelbe Signalweste, diverses Informationsmaterial und einen Druck vom Hauptplatz in Uppsala für zu Hause. Nach dem Kennenlern-Abend wurden wir auf unsere Gastgeber aufgeteilt. Birgitt und ich kamen zu einer sehr netten Familie im Süden von Uppsala: Maria, eine Kindergartenpädagogin, und Per Olof, ein Ohrenchirurg, waren uns von Anfang an sympathisch und wir sollten während dieser Woche zu Freunden werden.

In den ersten Tagen des Treffens besuchten wir unter anderem die Hügelgräber der Wikinger und das Disagården-Freiluftmuseum in Gamla Uppsala (gamla=alt), die Universitätsbibliothek Carolina Rediviva mit der gotischen Silberbibel, den Seziersaal im Gustavianum, die Kathedrale und Linnés Garten im Zentrum von Uppsala.

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Ein persönliches Highlight für mich war auch der Besuch von Linnés Hof in Hammerby, denn Carl von Linné (1707-1778) ist eine jener 10 von mir sehr geschätzten, historischen Persönlichkeiten, mit denen ich mich wirklich gerne einmal unterhalten hätte!

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Am Samstag Nachmittag versammelten wir uns zum Barbecue auf Mandas Anwesen. Auf der Wiese zwischen dem falunrot gestrichenen Haupthaus und weiteren gleichfärbigen und ebenfalls hölzernen Nebenhäusern tanzten wir zu den Klängen der Nyckelharpa und spielten und sangen miteinander:

/: Uti gröna lunden där dansar ett par
Den ena var vännen den andra var jag. :/

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An diesem Nachmittag besuchte uns auch Jonny Sågänger, der im Vorjahr wiedergewählte Präsident von SERVAS International, mit seiner Familie. In seiner Ansprache ging er auf auf die Mission von SERVAS im Allgemeinen und auf die letzten Neuerungen im Speziellen ein (Server Online, familienfreundliches SERVAS).

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Ein besonderes Erlebnis war auch die gemeinsame Fahrt mit der Dampfeisenbahn, der sogenannten „Lennakatze„, zu Mandas Jetty, ihrem Häuschen am See, wo wir auch zum Bootfahren und Schwimmen eingeladen wurden.

06_kuniobirgitmandaBirgit aus der Schweiz und Kunio aus Japan winken aus dem Abteil

Am Abschlussabend des Treffens hielt ich im falunroten Schuppen der Familie Mårs dann eine Powerpoint-Präsentation ganz im Sinne von SERVAS: „From War to Peace – SWEDEN – Upper and Lower AUSTRIA, 1618 – 2016″:08_sweden-austria

Dabei strich ich heraus, wie sich das Bild vom grausamen und gefürchteten schwedischen Krieger während des Dreißigjährigen Krieges im Lauf der Zeit zum Bild der schwedischen WohltäterInnen umwandelte. Besondere persönliche Anknüpfungspunkte waren dabei

  • die oberösterreichischen Schwedenschanzen in Oberhaag, Rading und Klam
  • dass wir jetzt direkt unterhalb der Linzer Schwedensiedlung wohnen, wo das schwedische Rote Kreuz und der schwedische Zweig von Rettet das Kind nach der großen Flutkatastrophe von 1954 insgesamt 50 Häuser für Familien stifteten, die ihr Haus in den Fluten verloren hatten.
  • das weltweit zweite Strindbergmuseum in meinem Geburtsort Saxen, weil der schwedische Dramatiker August Strindberg in den Jahren 1893 bis 1896 in Saxen und im Nachbarort Klam wohnte.

Da mein Vortrag großes Interesse hervorrief, möchte ich ihn euch auch unter http://www.servas-austria.org/report/SwedenAustria.ppsx zur Verfügung stellen.

Harley hat inzwischen auch einen Kurzfilm auf Youtube bereitgestellt: https://youtu.be/1R7zIbKQjGo

Abschließend nochmals allerherzlichsten Dank an Manda, Harley und ihre Freunde, die alles perfekt geplant hatten! Und ich bin schon gespannt, ob jemand aus dem Teilnehmerkreis – ebenso wie voriges Jahr Manda – inspiriert wurde, in den nächsten Jahren ein ähnliches Treffen wie in Israel, Umbrien und Uppsala zu veranstalten!

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Renee und Servas

* contributed by Renee Chinquapin, Austria/USA *

I am a 68-years old, currently living in Vienna with my Austrian partner. As I have time and good enough health to do some exploring and because I speak German I set off on a 6 week bicycle tour through Bavaria in late June, 2016, mostly staying with Servas hosts. I had previously traveled extensively in Germany both with Servas and Couchsurfing and found German hosts to be extraordinarily considerate and generous. This is a teaser story to encourage you to consider attempting something of the sort.

Unlike other long-distance bicyclists, I care not how far or fast I travel. I simply wish to enjoy beautiful landscapes, art, and architecture as well as get to know other open-minded travelers. I only planned a week or so in advance. I purchased a smart phone after a decade of diehard resistance because it allowed me to instantly access the German Servas Host list as well as email them on the road, which the phone’s GPS allowed me to more easily navigate. I did not take along a bicycle map nor load fancy apps on the phone, relying on tourist information cycle maps as I went along, traveling by the motto: „Less is More.“

I followed the Danube up to Regensburg, then the Regen to its source and on to Hersbruck, then the Pegnitz down to Nuremberg, the Danube-Main Canal up to Bamberg. I then biked on to Ansbach, Lichtenau and down the Altmühl to Eichstätt, then over the hill to Ingolstadt, Moosburg, Weissenburg, Rosenheim, Siegsdorf, Salzburg then finally back to Linz through the Salzkammergut and down the Traun.

I stayed with ten heterosexual, christian, well-travelled, well-educated mostly older Servas hosts, many of whom could vividly recall WWII. One fellow was bitten by the Mongolia bug and went horseback riding there across the steppes every summer … in his late 70’s.

Another childless couple lived in a mixed-age, purpose-build urban community where they constantly entertained and assisted their multicultural neighbors. One host worked forty years with handicapped adults. One couple collected memorabilia from all their travels; their home was a museum of knick-knacks from everywhere, astounding actually. One hostess told me stories about her childhood in occupied Holland and all about the evolving reconciliation between the Dutch and the Germans.

I did stay with a few middle-aged hosts as well and was struck by how uninterested in my background, my various identities they were in comparison to older hosts, one of whom told me that my androgyny irritated her. Yes, I always had a lot of explaining to do with old hosts, whereas younger ones seemed much more grounded in the present.

Visiting so many homes I was struck by how important beer was to Bavarian men, really as much a culinary delight as cultural marker. Food was generally a down-to-earth practical matter rather than a pleasure or shared ritual. Hosts were extremely indulgent of my particular dietary limitations, for hosting someone who cannot eat sugar, wheat or potatoes—in Germany, no less—is no simple matter. I always had my own bedroom and bathroom and a key to the premises. I generally stayed three nights though in a pinch someone put me up for five nights. Hosts always provided me with maps and brochures on local attractions.

I was unable to stay with Servas hosts in Austria, where everyone vacations in August. Thus, all my observations were of German hosts only.

All in all, I found my hosts engaging, heart-felt, admirable human beings with good boundaries and great comprehension of the human drama. All of them wanted to know my opinion of Donald Trump and what it was like to travel by myself, something I cannot recommend too highly: it forces one to reach out to strangers, take social risks, and challenge oneself constantly in all sorts of ways. It also allows for immense flexibility and freedom.

The only difficulty I want to mention is that old-fashioned village inns and family bed and breakfast places have almost all closed down, due to Air B&B and ever increasing demands by travelers for fancier and more modern accomodations. When and where I could not find Servas hosts, I had trouble locating modest lodgings.

I am happy to answer any questions you might have at:

reneechinquapin@gmail.com

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High Life bei tschechisch-österreichischer Freundschaft

Eigentlich war unser Gästezimmer schon an eine befreundete Familie aus Tirol mit zwei Kindern, Elena (10) und Raphael (8), vergeben. Aber die Meldung, dass Judith (15) und Esther (13) aus der Nähe von Prag eine Woche in Österreich verbringen wollten, elektrisierte mich – war ich doch erst von einem Tschechisch-Intensivkurs heimgekehrt.

Gewünscht war zwar ein Jugendaustausch, allerdings ist unser Sohn Viktor mit seinen 21 Jahren nicht gerade der ideale Austauschpartner für zwei Teens. Mein Mann Tom und ich mit 50+ natürlich auch nicht. Trotzdem sagten alle Beteiligten ja, und es wurde eine der schönsten Wochen meines Lebens. Oder in Viktors Worten „endlich kommt mal Leben in die Bude“.

Bei diversen Gesellschaftsspielen und den spontan ausgerufenen Rohrbach Open Badmintonmeisterschaften in unserem Garten gab es kaum Sprachbarrieren zwischen Tirol, dem Mühlviertel und Tschechien. Und weil neun Leute im Haus ja noch nicht genügen, holten wir uns zur Paddeltour auf der Moldau noch Verstärkung durch eine weitere Freundin und ihre zwei Töchter.


Viktor zeigte Judith und Esther Linz. Mit Judith begab ich mich in den Rohrbacher Geschäften auf die Suche nach typisch österreichischen Lebensmitteln. Esther nutzte die Wasserrutsche im Freibad intensivst. Alle zusammen ließen wir uns Toms köstlichen Kaiserschmarren schmecken.

ein österreichisches Lebensmittel :-)

Judith lernte einige weitere Jugendliche in ihrem Alter kennen, während Esther sich eher mit Elena gut unterhielt.

Als krönenden Abschluss bestiegen Tom, Viktor, Judith, Esther und ich den Sonnstein bei Traunkirchen und badeten im Langbathsee bei Ebensee.

Viel zu schnell war eine Woche um, und die Eltern der beiden sowie ihr kleiner Bruder standen vor der Tür, um sie zum Familienurlaub abzuholen. Eigentlich wollten sie sich höchstens eine Stunde aufhalten… Fast vier Stunden später, nachdem wir gemeinsam gekocht, gegessen und Kaffee getrunken hatten, machten sie sich mit einiger Verspätung auf den Weg.


https://www.servas-austria.org/wp/wp-content/uploads/2016/09/2016-08_Muehlviertel-meets-Tirol-meets-Tschechien.jpg

Uns blieben Gemüse und Eingemachtes aus dem Garten der Familie, aber vor allem wunderschöne Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes und das Wissen, dass wir bald einen Gegenbesuch machen möchten.

Unseren Gasttöchtern bleiben neue Freundschaften im Mühlviertel und in Tirol, Einblicke in das Leben in einer österreichischen Kleinstadt und das Wissen, dass sie sich auch ohne ihre Familie gut im Ausland durchschlagen.

Ich bin allen bei Servas Österreich und Servas Tschechien sehr dankbar, die geholfen haben, diese Begegnung zustande zu bringen, und was mich betrifft, soll es sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir junge Gäste aufgenommen haben!

​Ingrid Schein, Rohrbach​

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Nizza – Marseille – Nizza mit Besuchen bei Servas FreundInnen als Tagesgastgeberinnen Juni 2016

Gleich vorab möchte ich den französischen Servas FreundInnen gratulieren:
Alle Kontaktierten haben geantwortet und gut die Hälfte hatte Zeit für uns!
Das ist ausgesprochen vorbildhaft!

Zwei Wochen vor unserer Abreise nach Südfrankreich am 11. Juni 2016 bemerken wir mit Entsetzen, dass wir für unsere Reise nach Südfrankreich den denkbar ungünstigsten Zeitpunkt gewählt haben:
Beginn der Fußball Europameisterschaft und angesagte Streiks im öffentlichen Verkehr!

Elisabeth und ich, Freundinnen seit der Kindheit und Reisegefährtinnen per Autostopp in der Jugend, wagen es trotzdem. Wir werden für unsere Unerschrockenheit mit wunderbaren Servasbegegnungen und harmlosen Behinderungen bestraft. Drei Wochen vor unserem Abflug beginne ich ServasfreundInnen in Nizza, Marseille und Umgebung anzuschreiben. Wir haben für Marseille eine Ferienwohnung gebucht und suchen Menschen, die gerne mit uns ein paar Stunden verbringen, uns Besonderheiten von Land und Leuten zeigen und/oder uns Tipps für unseren Aufenthalt geben wollen. Sehr bald erhalte ich freundliche Antworten, positive und solche, in denen bedauert wird unserer Bitte nicht nachkommen zu können. Von den 10 Servassen, die ich in Marseille, Nizza und Umgebung anschreibe, lernen wir tatsächlich die Hälfte kennen.

Gleich am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Marseille – wir haben uns gerade mal begonnen uns zu orientieren und zu lernen, den Massen an Bussballfans aus dem Weg zu gehen, – sind wir bei Danielle zum Diner eingeladen. Am Rande der Stadt, mit dem städtischen Bus erreichbar, in einem schön renoviertern Häuschen mit Garten und Hühnerstall, begegnen wir in der Gartenlaube nicht nur der Hausfrau, sondern gleich zwei anderen Servas Frauen. Im Nu sind wir in Gespräche vertieft, alle froh darüber, dem Fußballwahn entkommen zu sein und erfreuen uns bald der Erkenntnis, dass wir sehr ähnlich sind, lachen, singen und tauschen Erfahrungen über Reisen, Familien, Schicksale und Servasaktivitäten sowie gemeinsame Servas FreundInnen aus.

Für den nächsten Tag machen wir gleich eine Wanderung in die Marseille nächstgelegene Calanque (Bucht) aus. Danielle holt uns von einem Treffpunkt per Auto ab, unsere Wanderschuhe haben wir an, es geht los: Küstenwanderung auf steilen, felsigen Wegen, durch Macchigebüsch, blühende Rosmariensträucher, – herrliche Ausblicke säumen unseren Weg. Ziel ist ein Strand in einer tiefen Bucht. Das Wasser ist uns zu kalt zum Baden, der Wind zu stark, dafür ist das Meer umso schöner und unsere Freude am Gehen und Reden umso größer.

Gleich für den nächsten Tag gibt es die Einladung nach La Ciotat zu kommen, eine kleine Hafenstadt 30 km östlich von Marseille. Wir nehmen früh morgens nach einer Wanderung zu Fuß durch die Stadt (Streik der innerstädtischen Busfahrer) den außerstädtischen, nicht bestreikten Bus und sind nach einer halben Stunde am Treffpunkt mit Chantal, unserer nächsten Servasgastgeberin. Sie zeigt uns ihr Städtchen und den wunderschönen Par c du Mugel mit puddingartigen Felsformationen aus Steinkonglomaraten, mit schönen Buchten und noch schöneren tropischen Bepflanzungen. Chantal erzählt uns über die „Mugel“, Anhäufungen von Flusssteinen, die sich im Laufe der Jahrtausende zu bizarren Hügeln entwickelt haben. Dann fahren wir in ihr Dörfchen zum Mittagessen in ihrem farbenfrohen, mediterranen Haus; wieder erzählen wir uns unsere Geschichten, reden über unsere Familien, Hobbys, Reisen. Ein angenehmer, entspannter Besuch. Mit Chantal gibt es gleich ein Monat später ein freudiges Wiedersehen im Mont Blancgebiet bei der Route de l‘amitié.

Am Mittwoch besuchen wir das berühmte MUCEM und für abends ist bereits mit Maryse, die wir am Montag vorher bei Danielle kennen gelernt haben, ausgemacht mit ihr in die Chorprobe zu gehen. Allein die Aussicht auf Chorsingen brachte uns in Hochstimmung. Leider ist die Chorleiterin erkrankt, daher besuchen wir Maryse in ihrer eindsruckvoll großen, eleganten Wohnung, die sie erst vor kurzem als Pariserin erworben hat. Apero steht an, wir tauschen unsere Chorerfahrungen aus, geben Kostproben unseres österreichischen Liederschatzes Jodler inbegriffen, erfahren einiges aus Marysens bewegtem Leben, reden über Wohnungstausch und Besuche in Wien. Dann machen uns auf den Weg durch die wegen eines Matches in Marseille für Autofahrten gesperrten Innenstadt. Etwas mulmig ist uns, weil wir schon den ganzen Tag über die Fans brüllen gehört haben. Aber nun sind sie im Stadion und die Metro bringt uns sicher und ohne Gedränge in die Nähe unseres ruhigen Wohnviertels mit Blick auf Meer und Insel.

Den Donnerstag verbringen wir ohne Servasbesuch, Elisabeth unternimmt eine Rundreise zu einigen bedeutenden Orten der oberen Provence, während ich den Tag mit weitem Spaziergang, Lektüre und Schreiben bei bedecktem Himmel am Felsenufer genieße.
Am Freitag fahren wir per Navette, vorbei am berühmten Chateau‘If, auf die Marseille nächstgelegenen Inseln zum Archipel du Frioul; ein herrlicher Badetag, leider gibt es Quallen im immer noch ziemlich kalten Wasser. Auf einer kleinen Wanderung über die Inseln sehe ich (Elisabeth erholt sich im Hafen) die Ruinen des Zweiten Weltkrieges, die offensichtlich als Mahnmal stehen gelassen wurden. Sie ragen bizarr in die wunderschöne Landschaft hinein. Für abends haben wir von Noelle den Tipp für ein Picknick-Konzert mit klassischer Musik im Parc Bagatelle bekommen. Zweimal treffen wir Noelle an diesem Tag zufällig! Einmal, als sie uns gerade ein SMS mit den genauen Angaben des Konzerts schreibt. So fühlen wir uns in Marseille schon ein bisschen zu Hause. „Wasser- und Feuerwerksmusik“ von Händel, ein Oboenstück von Lully vor der Kulisse des Parks auf der Wiese, im Hintergrund das hell beleuchtete Amtshaus im feinsten Jugendstil, Halbmond, ungewöhnliche Kühle und dazu unsere leisen, munteren Gespräche mit den Servasfreundinnen bei einem Gläschen Porto.

Wir sind begeistert! Danach wird es schwierig. Die Busse fahren in Marseille nur bis acht Uhr abends!
Dem Taxler können wir den ziemlich weiten Weg nach Hause bereits ansagen; denn wegen der Streiks und Behinderungen durch das Fußballevent kennen wir die Stadt inzwischen ganz gut!

Für Nizza, wo wir uns zwei Tage aufhalten wollen, haben wir zwar kein Servasquartier, dafür ein freundliche Einladung bekommen: Fred und JP, aktive Lehrer, laden uns in die Route de Bellet, etwas außerhalb und oberhalb vom Zentrum gelegen, zum Abendessen ein. Sie holen uns von unserem Quartier ab. Es wird ein wunderschöner Abend mit jeu de pétanque (Bocciaspiel) zum Apero auf dem Spielplatz ihrer Residence, einer gepflegten Wohnsiedlung, die sie uns stolz samt Blick aufs ca 10 Kilometer entfernte Meer zeigen. Es gibt typisch provencalisches Essen, pissaladière als Vorspeise, Daube als Hauptspeise. Fred ist begeisterte Köchin, JP, ihr Lebensgefährte, und nun auch wir sind begeisterte GenießerInnen. Wir plaudern über unsere Herkünfte, Lebenswege und unterhalten uns wieder einmal über Kindererziehung, Schule, Gott und die Welt. Wieder einmal bedanken wir uns singend mit dem Andachtjodler. Unsere Gastgeber beteuern, nun Lust auf Österreich bekommen zu haben und uns besuchen zu wollen und bringen uns dann wieder per Auto den Berg nach Nizza hinunter ins Hotel. Eine Servas Begegnung vom Feinsten!

Wir fliegen am nächsten Tag nach Wien ab.
Die Mühe des Anschreibens und Anfragens hat sich gelohnt. Die vorerst wildfremden Menschen sind zu FreundInnen geworden. Ohne sie hätten wir Marseille und Umgebung niemals in der kurzen Zeit so gut kennen lernen können. Vielen Dank hier nochmals an sie alle.

Ceterum censeo:
Es lebe Servas! Vive Servas!

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Sentiere insieme – route de l‘amitié – Pathway together 2016 in Contamines – Montjoie, Mont Blanc Gebiet, Frankreich 1.7. – 7.7. 2016

An dieser Stelle gleich einmal ein herzliches GRAND MERCI an die französischen OrganisatorInnen der Route de l‘amitié. Sie haben tolle Arbeit geleistet. Es war wirklich alles bestens, das Quartier, das Essen, die Wanderungen, die FührerInnen, die Gegend und nicht zuletzt die Atmosphäre und die freundschaftliche Stimmung. Ein Servas-Erlebnis der feinsten und besten Art!

Diesmal sind wir zu viert aus Österreich gerkommen: Elisabeth und Elmar F., Neulinge bei dieser Art von Servas-Veranstaltung, sowie Lorenz G. und ich, Hedwig S.-G, zum sechsten Mal bereits dabei. Weiterlesen

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5. Frühstück mit Flüchtlingen in der Brunnenpassage 5.6.16

Wir waren nun schon zum fünften Mal beim Frühstück in der Brunnenpassage und haben mit einigen Flüchtlingen und Deutschlernwilligen Konversation gemacht. Nadine hat sich mit Muhamed und einigen Kindern unterhalten und einiges über sein Schicksal erfahren, während Eva und Hedwig mit Galina aus Russland, Zahra aus Persien und Leyla aus Afghanistan ihre Probleme mit dem Deutschlernen und anderes erörterten.
Am Nachmittag fuhr ein munteres Grüppchen Frauen per Bus die Höhenstraße bis zur Sulzwiese hinauf und wanderte bei herrlichstem Wetter durch die wunderschöne Wildgrube hinunter nach Nussdorf zum Wirtshaus „Bamkraxler“. Dort trafen wir die Leute von Friendship Force. Letzten Herbst hatten wir sie kennen gelernt. Sie haben ein ähnliches Ziel wie wir: nämlich Friede durch Freundschaft zu erreichen.

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Wien: Wanderung. Picknick mit Flüchtlingen

Wanderung am 30. April 2016
Über Heuberg, Wilhelminenberg und Jubiläumswarte zur Zehner Marie

Es war doch ein nettes Grüppchen zusammengekommen, 10 Leute und noch dazu international und bundesländermäßig stark besetzt. Bei herrlichem Wetter bestiegen wir den Heuberg; so einige von uns wussten gar nicht, dass man im Wiener Wald ins Schwitzen geraten kann.
Auf der Kreuzeichenwiese lagen wir erschöpft, aber glücklich über den strahlend blauen Himmel, die knallgrünen Blätter und die freundschaftlichen Gespräche über Gott und die Welt, die uns derzeit gar nicht so gefällt.
Von der Warte aus sah man bis in die Slowakei und ins Ungarische, was in diesem Jahr noch nicht so oft vorgekommen ist. Beim Heurigen kam mit Fabian noch jugendliche Verstärkung dazu.
Es war ein Fest.

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Picknick mit Flüchtlingen am 1.5. in der Brunnenpassage

Wieder waren wir dabei. Zum vierten Mal.
Und wie bestellt waren wieder zwei Schweizer Servas-Freunde angereist und beteiligten sich an den Gesprächen. Nun kennen wir schon einige junge Leute, vor allem Afghanen, wir bemühten uns wieder mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Eine Frauengruppe ist im Entstehen. Alles geht unsensationell vor sich, aber macht hoffentlich Sinn.

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Zu Gast bei SERVAS Italien – eine erlebnisreiche Nationalversammlung!

SERVAS Italien hatte die benachbarten SERVAS-Länder eingeladen, einen Repräsentanten zur diesjährigen Nationalversammlung vom 8.-10. April in Sant’Andrea Bagni bei Parma zu schicken. Dieser Einladung sind schließlich Susana Martinez, Jugend-Koordinatorin von SERVAS-Spanien, und ich stellvertretend für Dorothea gefolgt.

Am Freitag 8. 4. reiste ich mit einem ÖBB-Sparschieneticket von Linz nach Verona, wo ich von Ermanno Gaiga, dem national secratary von SERVAS Italia, und seiner Schwester Laura Gaiga abgeholt wurde. Während der Autofahrt von Verona nach Sant’Andrea Bagni hatte ich schon muntere und interessante Gespräche mit den beiden sehr sympatischen und freundlichen SERVAS-Mitgliedern. Ermanno erklärte mir auch die Beweggründe für die Einladung der SERVAS-Nachbarländer und erzählte mir von den weitreichenden Entscheidungen, die bei SERVAS Italien anstehen – dazu dann später. In Sant’Andrea Bagni wurden wir von den bereits Anwesenden aufs Wärmste empfangen, und mir wurde das Ausmass einer italienischen „Assemblea Nazionale“ bewusst: Insgesamt nahmen 140(!) SERVAS-Mitglieder daran teil – das gleicht schon einem SERVAS International General Assemly, das im Schnitt alle 3 Jahre stattfindet (zuletzt 2015 in Neuseeland, und das nächste Mal wahrscheinlich in Südkorea).

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Terme di Sant’Andrea Bagni            und               das Wasserschloss von Fontanellata

Am Samstag Vormittag gab es 3 Ausflugsvarianten (ich machte bei einer Führung durch die nahegelegene Rocca von Sanvitale in Ort Fontanellata mit). Am Nachmittag folgten die Workshops und die jeweils 20-minütigen Präsentationen, die Susana und ich über unsere eigenen SERVAS-Länder vorbereitet hatten. Da ich zum ersten Mal in meinem Leben ich einen Vortrag auf Italienisch hielt, hatte ich doch ein wenig Lampenfieber, aber Anna Cristina Siragusa war mein rettender Engel für den Notfall, und so fanden die Vorträge von Susana und mir doch recht guten Anklang. Weitere Vortragende berichteten von Veranstaltungen für die SERVAS-Jugend und Raffaela Rota erzählte von Aktivitäten mit Flüchtlingen in Bergamo. Nach dem gemütlichen Abendessen gab es Live-Musik und Gruppentänze, bis wir müde ins Bett gingen.

Am Sonntag Vormittag wurde dann über wichtige Änderungen bei SERVAS Italien entschieden. So wie SERVAS Italia vor 10 Jahren erstmals Hostlisten in PDF-Form eingeführt hatte und damit die Ablöse der gedruckten Hostlisten vorangetrieben hatte, möchte es diesmal das „Pionierland“ für die neue Struktur mit SOL (SERVAS Online) sein, das heuer endgültig eingeführt werden soll. Damit ergeben sich für SERVAS Italien einige Änderungen, die nach teils lebhaften Diskussion beschlossen wurden:

  • keine Hostlisten mehr in Papierform, auch nicht mehr für die landes-eigenen Mitglieder (das ist bei uns schon seit 2013 der Fall)
  • Umstellung von Familienmitgliedschaften auf Einzelpersonen
  • zwecks Vereinfachung der Verwaltung gelten die italienischen Mitgliedsbeiträge zukünftig nur noch fürs laufende Kalenderjahr, also nicht mehr 365 Tage ab Ausstellung (wie wir es mit unseren Reisebeiträge halten – jährliche Mitgliedsbeiträge im eigentlichen Sinn haben wir ja nicht)
  • Abschaffung der SERVAS-Reisemarkerl: mit dem Mitgliedsbeitrag hat man/frau auch das Recht auf einen LOI. Dazu wird noch dieses Monat die Zustimmung von SERVAS International eingeholt werden – das wird uns in Zukunft sehr wohl betreffen!

Wir können also gespannt sein, was sich in nächster Zeit diesbezüglich ändern wird!

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Abgesehen von diesen administrativen Dingen darf ich euch ein paar herzliche Einladungen überbringen (Details siehe http://servas.org/events-and-meetings.php):

  • SERVAS BY BIKE 2016 von Ravenna nach Rimini 2.-4. Juni 2016
  • Servas International Summer Camp 2016, Puerto de Santa Maria, Cadiz, 21.-28. August
  • Jugendtreffen (18-30 Jahre) in Apulien „Nature, Culture and Italian Flavours“ 3.-7. September

Weitere Treffen:

  • Meeting im Zeichen des Tangos auf der Insel Elba
  • Die Anmeldung Alpe-Adria-Meeting Mitte September wird übrigens bald möglich sein!

Allen Italophilen unter uns empfehle ich auch das Notiziario von SERVAS Italien. Die letzte Ausgabe befindet sich auf Notiziario_1_2016 (bzw. auf http://servas.it/tiki-list_file_gallery.php?view=list&galleryId=70, event. noch Button „Elenco immagini“ und dann auf Notiziario_1_2016 klicken)

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Während der Zugreise hatte ich übrigens auch ein paar Migrationserlebnisse:

  • Schwarz-Fahrer: Bei der Zugfahrt von Linz nach Innsbruck hatten zwei gegenüber sitzende junge Männer, dem Aussehen nach aus dem Nahen Osten, keine Fahrkarte. Da die beiden nicht kommunizieren konnten oder wollten, war der Schaffner leicht genervt. Beim Weitergehen meinte er: „Jetzt muss ich deswegen auch noch die Polizei holen“. Das war schon in der Gegend von Wels. Ich war schon gespannt, was passieren würde, aber weder in Salzburg, noch bei der Endstation in Innsbruck war ein Polizist zu sehen. Der Schaffner hatte offensichtlich auf eine Intervention verzichtet.
  • Grenzkontrolle: Bei der Rückfahrt von Verona ging eine Gruppe von 5 Polizisten durch den Zug und fragte alle Personen, die nicht europäisch aussahen, nach dem Reisepass. Am Brenner stiegen sie dann mit einer Gruppe junger Männer aus, die wohl ohne Dokumente nach Deutschland wollten (die Endstation dieses Zuges wäre nämlich München gewesen).
  • Arbeits-Los: Kurz vor Innsbruck unterhielt sich ein etwa 30-jähriger Italiener mit einer älteren Landsfrau und Touristin und erzählte ihr, dass er in Deutschland Arbeit suchen wolle, weil es in Italien unmöglich sei, Arbeit zu finden. Auf die Frage, wo er denn arbeiten werde, erklärte er (immer auf italienisch), dass er es noch nicht genau wisse, aber er habe erfahren, dass viele Italiener in München wohnen, und er werde sich dort herumhorchen, vielleicht wisse ja einer seiner Landsleute einen Job für ihn …

Herzliche Grüße!
Walter

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Mit Gästen unterwegs

Musikabend in Tulln und Picknick mit Flüchtlingen

* Am 1.4. 2016 haben Elisabeth und Elmar haben eingeladen und 10 Leutchen sind zusammengekommen:
zum Sing- und Musikabend in ihrem Tullner Haus. Unsere (Hedwigs und Lorenz‘) Gäste aus der Schweiz haben gemeinsam mit Tullner Freunden aufgespielt und nach dem Servas Liederbuch gesungen. Es war ein Ohrenschmaus! Das Foto ist ein wenig unscharf – der Profifotograf Guido (Schweiz) hat ja gespielt und gesungen.

Danke an Elisabeth und Elmar für ihre Gastfreundschaft!

* Nun schon zum dritten Mal sind am 3.4. 2016 einige Servas-FreundInnen gekommen, um beim traditionellen Picknick im Kunst/Sozialraum Brunnenpassage mit Flüchtlingen Kontakt aufzunehmen und teils richtige Konversationsstunden zu halten. Wieder waren unsere Schweizer Gäste dabei, haben gesehen und gestaunt, was wir hier mit einfachsten Mitteln zur Erleichterung der Situation der Flüchtlinge unternehmen. Vielleicht ein kleiner Beitrag dazu, dass auch sie sich ein wenig als Gäste fühlen können. Am Nachmittag gingen noch einige mit in den Wienerwald und – wohin sonst – zum Heurigen: das Singen durfte auch dort nicht fehlen.

Liebe Grüße an alle,

Hedwig

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Von Mensch zu Mensch

In der Brunnenpassage in Wien ( http://www.brunnenpassage.at/spielplan/) findet an jedem 1.Sonntag im Monat ein gemeinsames Frühstücken statt; unsere Hedwig Seyr-Glatz, die in der ‚BruPa‘ als Freiwillige tätig ist, hatte für 6.März 2016 alle interessierten Servas-Mitglieder dazu eingeladen.


9 Servasse kamen, und während wir das köstliche Buffet genossen, konnten wir mit den zahlreich anwesenden Flüchtlingen schon Kontakte knüpfen; anschließend formten sich auch noch zwei Deutsch-Übungsgruppen.
Hedwig stellt sich vor, dass dieses Format zu einem regelmäßigen Ereignis werden kann: wer möchte, kommt zum Brunnenpassage-Picknick und hilft Flüchtlingen beim Deutschlernen oder spielt mit ihnen Gesellschaftspiele, die nächsten Male am 3.April, 1.Mai und 5. Juni immer ab 10h bis 13h.

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