Begegnung mit Servas-Leuten in Nizza und Antibes

* von Hedwig Seyr-Glatz *

Anfang Juni 2011 fuhren wir,Hedwig Seyr-Glatz und Angelika Mairose-Parovsky, beide pensionierte Französichlehrerinnen und infolgedessen beinahe fanatisch francophile, an die Cote Azur.

Zuerst stand Nizza auf unserem Programm, wo wir in einer eingetauschten Wohnung mit Jasmin- Zitronenblütenduft mediterranen Flair vom Feinsten genossen. Wir betreuten Katze Poumba und Fische im Miniteich, während die „Nicois“ von unserer Wohnung aus (mein Mann Lorenz residierte dankenswerterweise in seinem Elternhaus) Wien entdeckten. Wir trafen uns mit einer Servas-Freundin aus NÖ, die grade in Cannes ihr Quartier aufgeschlagen hatte, und begegneten Pierre Boussard, einem langjährigen Servas-Mitglied, der uns zwar nicht unterbrignen konnte, aber uns kennenlernen wollte, und der zwar die halbe Welt bereist hatte, aber noch nie in Österreich war. Klar wurde er von uns herzlich eingeladen, nach Wien zu kommen. Das wichtigste Wort, das wir von ihm gelernt haben: bourlinguer, das heißt sowas wie herumstrawanzen.
Der Höhepunkt unserer Reise war dann der Aufenthalt bei den Servaslern Christine und Francois in Antibes, 20 km von Nizza entfernt, wo uns der 1,- Euro-Bus zwar nicht schnell und bequem, aber doch sicher hinbrachte (Tipp 1).

Beide leben nach dem Zusperren ihrer Firmen vom Zweitberuf, Francois ist nach Jahren als technischer Angestellter nunmehr ebeniste, d.h. Möbeltischler und Christine ist nach Pharmazeutin jetzt Tagesmutter. Das Haus aus den 40er Jahren mit einem Garten, voll von (für uns) seltenen Obstbäumen wie Kumquat oder Mispeln, mit einer eigenen Garconniere für Gäste und mit einem riesigen Swimmingpool liegt am Stadtrand und enthält gleichzeitig ihre Arbeitsplätze, ein „atelier“ und einen Kinderspielplatz.
Als Aperitif gab es einen köstlichen selbstgemachten Orangenwein und und als „Digestif“ jede Menge Bilder von ihrer erst ein Monat vorher beendeten 5-monatigen Reise. Dazu viele Erzählungen über Servas-Freunde. Somit waren wir an diesem Abend nicht nur in Frankreich, sondern auch ein wenig in Kambodscha, Neuseeland, Australien, Kalifornien.
Für den nächsten Tag bekamen wir Wanderkarten und jede Menge Tipps für Unternehmungen. Wir erlebten, dass der als gefährlich angekündigte Küstenweg um das Cap herum – Danger de mort – gut abgesichert ist und die Öffis an der Cotes Azur nicht so schlecht sind wie ihr Ruf. In einem Ökopark bestaunten wir ein in voller Blüte duftendes Rosarium und eine Villa aus dem 19. Jh., in der wir völlig unbehelligt – der Gardien machte grade Mittagspause – umherspazierten und herrliche Räumlickeiten mit phantastischem Blick auf das Meer sowie edles Mobiliar bewunderten (Tipp 2).

Abends luden wir Christine und Francois in ein Fischrestaurant ein. Wir verstanden uns bestens, selbst das hektische Getriebe konnte uns nicht aus unserem Gesprächsfluss über Familie, Reisen, Lebensarten und natürlich Servas bringen und uns von den köstlich zubereiteten Fischgerichten ablenken. Über französische Innenpolitik wollten sie verständlicherweise nicht sprechen. Die Affäre DSK ist allzu peinlich. Wir konnten sie trösten mit ähnlichen Beispielen aus der österreichischen Politik.

mit Servas hosts in Antibes

Am dritten Tag wurden wir von Christine per Auto zur zentralen Busstation chauffiert, obwohl wir uns durchaus schon mit den Buslinien auskannten.
Wir hoffen, dass unsere Gastgeber demnächst nach Wien kommen und wir sie auch betreuen dürfen. Versprochen haben sie es fürs nächste Jahr.
Im übrigen meine ich, sollte man/frau nur mehr Wohnungen tauschen oder Servas-Leute besuchen oder empfangen, wenn sie die Reiselust packt (Tipp 3).

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Durch die Weingärten von Wien

* Text: Lorenz Glatz, Fotos: Carola Neuhold *

Am 22.10. Oktober nutzten wird das sonnige Herbstwetter für einen längeren Spaziergang durch die Weingärten am Fuß des Kahlenbergs.

Schließlich ist hier schon Beethoven durch die Gegend gelustwandelt. An seinem Denkmal unterwegs erzählt uns Eva ausfühlich, was sie darüber von ihrem Ex-Mann weiß. War kein leichter Zeitgenosse. Der Beethoven. Auch eins der vielen Beethoven-Häuser steht hier, schließlich haben ihn seine Vermieter und Mitbewohner nie lang ausgehalten, woraus sich eine denkmalpflegerische Herausforderung für die Gegenwart und eine Freude für Spaziergänger und Touristen entwickelt hat. Wir besprechen in Zweier- und Dreiergruppen, was uns beschäftigt – natürlich nicht nur Beethoven. Schließlich kommen wir ans hierorts unvermeidliche Ziel – zum Heurigen, in Nussdorf. Dort wächst unsere Zahl schnell von 10 auf 16 und die Gespräche von besinnlich leise auf übermütig laut.

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Ein Monat in Kalifornien

* von Hedwig Seyr-Glatz und Lorenz Glatz *

Auf unserer Familiy-Homepage findet sich unser illustriertes Reisetagebuch.

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Alpe-Adria 2011 international meeting

* by Loris Tissino *

22nd edition

The traditional Alpe Adria Servas meeting this year was held in Arta Terme (Friuli, Italia), from Friday 9th to Sunday 11th, 2011.

Meeting place

Arta Terme (UD), Park Oasi Hotel

www.albergoparkoasi.it(external link)

Image 

Alpe Adria Meeting 2011 PDF

What we did

Alpe Adria Servas meetings are meant to let Servas members know each other in a relaxed context. Most of partecipants come from Italy, Slovenia, Croatia, Austria, Germany, and Hungary.
This year we had guests from Germany, Switzerland, Austria, Slovakia and even Canada!

Friday, 9th September

Arrival in the afternoon
Visit to the bio-mass power plant
Dinner
Evening walk

Saturday, 10th September

Meeting with local guides Mauro and Tiziana
Visit to the old St Peter’s church and to the Polse of Cougnes(external link)
Dancing evening

Sunday, 11th September

Mycological-botanic walk, with live identification of herbs and mushrooms
Open air lunch under a big walnut tree, with Carnic Alps typical courses (frico, polenta, mushrooms, herbs) prepared by chefs Benedetta and Giovanni, and Friulian wines
Group pictures, greetings, departures

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Alpe-Adria 2011 in Arta Terme

Das Alpe-Adria-Treffen 2011 wurde von Alma Nimis, Loris Tissino und Elisabetta Liva organisiert. Jenseits des Plöckenpasses, in den karnischen Alpen konnten wir den Geist von SERVAS, internationalen Gedankenaustausch und Freundschaften pflegen. Neben den vielen anwesenden ItalienerInnen nahmen Gäste aus Kanada (Donna Jokinen, Peter Bekeris), Argentinien (Renato Costantinis), Slowenien (Zuzana Polakova, Martin Polak, Maria Ondriasova), Ungarn, Deutschland (Christa Miller), Schweiz (Helen Heim Hueber, Vreny Boesch) und Österreich (Dorothea Schelch, Walter Dieringer) teil.

Mauro, unser Hotelier, Guide, „Philosoph“ und exzellenter Kenner von Arta Terme, seiner Bewohner und der Umgebung, bewirtete uns nicht nur vorzüglich, sondern begleitete uns auch auf unseren Ausflügen:

  • zum modernen Hackschnitzelheizwerk (teleriscaldamento), wo die in Arta Terme benötigte Heizungs- und elektrische Energie autonom erzeugt wird
  • in die Therme, wo uns der medizinische Leiter des Kurbetriebs über die Anwendungsmöglichkeiten des schwefeligen Wassers aufklärte
  • auf die hochgelegene und einen prachtvollen Ausblick bietende „Polse di Cougnes“, einem regionalen geistigen Zentrum rund um einen alten Kirchenbau, das in Freiwilligenarbeit errichtet wurde und betrieben wird, und wo uns der Leiter der Sternwarte das 70cm-Teleskop präsentierte und die Kuratorin des botanischen Gartens einige der 1250(!) dort gepflanzten einheimischen Pflanzensorten näherbrachte.

Während der Spaziergänge/Wanderungen und geselligen Abende gab es ausreichend Möglichkeit, neue SERVAS-Bekanntschaften zu machen und alte Kontakte zu pflegen.

Außerdem erfuhren wir, dass ein Foto von zwei italienischen SERVAS-Travellern Massimo Matteoni und Ubaldo Bagnaresi zusammen mit mir als Gastgeber in der vierteljährlichen Zeitschrift von SERVAS Italy veröffentlicht wurde, und zwar auf Seite 21 des „Notiziario Servas Settembre 2011.pdf“ von SERVAS Italy (aufmerksame Leser werden die zweifache Trikolore entdecken):

20110507_Walter+Massimo+UbaldoDas nächste SERVAS Alpe-Adria-Treffen findet vom 28.-30. September 2012 in Kreuzlingen am Bodensee (Schweiz) statt, organisiert von Helen Heim Hueber, Vreny Boesch.

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Vom Semmering bergab

* von Eva Meggeneder *

Schön war’s am Semmering – schön warm auch, aber viel erträglicher als in der Stadt: wunderschöne Natur, nette Gespräche, ab und zu sogar auch ernsthaft, gutes Essen beim Blunzenwirt, Spaß auf der Bahnfahrt und natürlich auf dem Bahnweg sowie abseits davon beim Schwammerl-Brocken ;-).

Schade nur, dass uns unsere Tourplaner und Wanderführer Arndt und Christina abhanden gekommen waren. Gottseidank kein Unfall oder dergleichen, schlicht mit der Woche nicht so punktgenau! Zur falschen Woche kamen gleich zwei Geschichten vom falschen Monat, ja vom falschen Jahr – irgendwie scheinen Termine bei uns so tierisch ernst nicht zu sein.

Aber zum Glück waren Margit (Day Host aus Wien) und ihr Freund Richard gerade im Sommerhaus in Breitenstein und auf Abruf bereit, uns 5 Bahn- und 2 Autofahrer als genaue Kenner der Umgebung einschließlich Abkürzungen zu führen. Zum Blunzenwirt vor allem, ein Besuch, der was Endgültiges an sich hatte, weil das Wirtshaus nach der laufenden Saison nämlich dicht macht. 🙁

Nach den Blunzen, Saumeisen und dergleichen Sünden kehrten die Autofahrer mit der Bahn zu ihrem Parkplatz auf dem Semmering zurück (Tja, Autofahren hat einen Hang zur Kreisbewegung, hat schon der Niki Lauda in einem nachdenklichen Moment erkannt). Die ‚Einfach raus-Ticket’-Benützer hingegen wanderten unter Margits Anleitung weiter, vorbei an den 20-Schilling Viadukten des Herrn von Ghega und mit prächtigen Ausblicken ins weite Land, bis zur Haltestelle Klamm-Schottwien. Von dort zuckelten wir ohne Hast und Hektik per Regionalzug via Payerbach nach Wien zurück. Teils schlafend, teils noch immer unverdrossen redend.

Danke für diesen schönen Ausflug, Arndt und Christina. Auch wenn ausgerechnet ihr leider nicht dabei wart!

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Haarlem. Das Original

* von Hedwig Seyr-Glatz *

Meine Schwester Lisl feiert ihren 65. Geburtstag und hat die gesamte Familie dazu eingeladen. Wir wollen uns dabei auch im Land erstmals umsehen.

Von Köln kommend treffen wir am 20 Juli gegen 19h in Haarlem ein, dem Original, in Holland. Wir haben einige Probleme in die Sackgasse, in der unsere Servasgastgeber wohnen, einzufädeln. Denn wir sind sträflicherweise mit dem Auto unterwegs, einem Verkehrsmittel, das wir hier in der Altstadt gar nicht brauchen können. Da regieren die RadlerInnen.

Addi und Hans (Servas, was sonst) erwarten uns bereits in ihrem schlanken Haus mit Blumenrand und äußerst praktischer Inneneinrichtung samt selbst eingebauter Terrasse und kleinem Garten. Über Nacht muss das Auto draußen bleiben, vor der Altstadt, auf einen Parkplatz, den Addi nur zufällig kennt, weil dort ihre Mutter in einem Altersheim lebt. Das Paar lebt nämlich autolos und das bestens; sie haben jedoch 6 Räder in einer Gemeinschaftsgarage geparkt, wie das hier so üblich ist. Die Häuser sind zu klein und die Straßen zu eng, um „Fietses“ dort zu parken.
Abends erzählen wir einander über unsere Familien und Reisen (ihre alle per Rad) und vor allem zeigt und erklärt uns Hans seine umfangreiche Sammlung von politischen Plakaten – seit den 60er Jahren sammelt er und morgen holt sie das Institut für Sozialgeschichte ab, denn diesem hat er sie nunmehr gestiftet. Mir bleibt der Mund offen angesichts dessen, was die Holländer schon vor 40 Jahren an erstens graphisch und zweitens politisch auf dem Hut hatten. Und warum komme ich da erst jetzt in dieses Land?!

Am nächsten Tag leihen uns Addi und Hans ihre bequemen Alltagsräder. Wir radeln zuerst gemütlich durch die Altstadt Haarlem, an Kanälen mit blumengeschmückten Hausbooten und mittelalterlichen Bürgerhäusern entlang, dann machen wir uns auf den ca 10km langen Weg durch die Dünen zum Meer nach Zandvoort. Himmel und Meer sind grau in grau, aber es bleibt trocken. Wir legen uns auf eine vergessene Strandliege und atmen tief die Atlantikluft ein und unseren Familien- und Reisestress aus.

Das Städtchen selbst zeigt uns zuerst seine etwas verlebte Strandseite im Stil der 60er Jahre mit vielen Burger- und Kebabbuden und einigen heruntergekommenen bratislavaliken Wohnbauten und Geschäftsvierteln, bis wir auf dem Rückweg das eigentliche Zentrum mit engen Gässchen und schmucken Häusern samt üppigem Blumenschmuck entdecken.

Der Radweg führt wieder durch Dünen und dann vorbei an Häusern mit den hier üblichen riesigen Fenstern ohne Vorhängen oder Jalousien hinter wohlgepflegten Vorgärten. Ein braver Puritaner hat nichts zu verstecken. Wieder in Haarlem finden wir ganz leicht das Frans Hals Museum in einem schlichten alten Gebäude; die Bilder enttäuschen mich ein wenig, vor allem die der alten strengen Männer, der Stadtwächter, die dort zu finden sind. Wieder über den alten Hauptplatz mit dem Katzenkopfpflaster und den vielen Radlfahrerinnen; keine Autos klarerweise. Hohe Lebensqualität an allen Ecken und Enden zu erkennen.

Abends gehen wir mit Addi und Hans zu Fuß durch das Quartier ins Restaurant „Angenehm“, wo wir genau so essen. Wir unterhalten uns, entdecken und besprechen unsere Gemeinsamkeiten, die politischen und die persönlichen. Holland gefällt uns nach dem Bier noch mehr, obwohl wir das Holländische nicht so gut verstehen, wie wirs vom bloßen Hören meinen.

Bei Servas in Haarlem...
Bei Servas in Haarlem …

Nach den rauschenden Geburtsfesten (ja: Plural der Feste und der Tage) bei meiner Schwester Liesl in Brummen, ein gutes Stück weiter östlich, machen wir uns auf den Heimweg, zu Servas-Leuten, eh klar. Am 26. 7. kommen wir in Engelhartszell, gleich hinter Passau herüben schon in Österreich, bei Eleonore, Esther und Josef an. Ein großes Haus an der Donau, in den 60er Jahren zu einer Pension ausgebaut, jetzt von Josefs Mutter und seinem Bruder dauerhaft, von unseren hosts in Ferien und an freien Tagen bewohnt, mit einem schönen Garten und viel Grund rundherum. Josef, eine Leuchte unter dem Schemel der etablierten Physik, mit Eleonore pädagogisch engagiert, zeigt uns sein Atelier, erklärt uns seine Geräte, soweit wir’s halt verstehen, und die selbstmontierte Solaranlage. So eine wollen wir auch. Esther kocht Marillenknödel, die mögen wir, dann wird erzählt, ein wenig debattiert und schließlich wird noch Jolly oder Römmi (oder so) gespielt (von Lorenz und den anderen, ich spiele nur Quartett und Schwarzer Peter. Ach, es war sehr schön und hat uns sehr gefreut.

... und in Engelhartzell
… und in Engelhartszell
Am 27. 7. fahren wir regelwidrig (1 statt 2 Nächte!) vormittags nach Wien zurück. Eleonore, Esther, Josef und ich winken, Lorenz darf nicht, der fährt.

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Sentierinsieme 2011 in Flumserberg, Schweiz

* von Hedwig Seyr-Glatz *

Heidi Schuster hat uns schon im Vorjahr so viel über diese wunderbare Servasveranstaltung der Italiener, Schweizer, Deutschen und Franzosen erzählt,

dass wir sie dieses Jahr nicht versäumen wollten. Leider war der Hauptteil, nämlich die 4tägige Bergwanderung, schon im Jänner ausgebucht, aber wir „durften“ an den 3 „Vorbereitungstagen“ im Hotel Chufirstenblick teilnehmen. Und die waren schon so vollkommen, dass wir die Trekkingtour zwar konditinell, aber emotional gar nicht mehr ausgehalten hätten! 2 Tag hintereinander eine 5 stündige geführte Wanderung; die ca 75 Teilnehmer teilten sich selbst einer leichten, einer mittleren und einer schwierigeren Gruppe zu. Die organisatorische Leitung lag bei der Schweiz und damit bei Elsbeth Marti, die das charmantest schaffte; kundige Unterstützer waren Ulrike aus Deutschland und Fridolin aus der Schweiz, Peter aus München. Heidi Schuster bot Jogaübungen um 7 Uhr früh an! Alles klappte bestens, abends wurde gesungen, gespielt und klarerweise viel geredet und Bekanntschaft gemacht. Nicht nur wir 3 Österreicher waren Exoten, sondern auch einige US-Amerikaner, eine Japanerin und 9 junge Türken aus Istanbul. Während der Großteil der Gruppe nach den beiden Trainingstagen 4 wunderschöne Trekkingtage erlebte, machten wir uns dann auf den Weg zu einer kleinen Besichtigungsrunde der Ostschweiz: Einsiedeln und St. Gallen zeigten uns nicht nur die ältesten Kulturgüter des Landes, sondern auch, dass es fromme Schweizer gab und gibt. Abends wurden wir von Hans und Ruth Bösch in Amlikon empfangen, eine Servas-Begegnung der ganz feinen Art. Hans erzählte uns von seinen 7 Amerikajahren seiner Jugendzeit, zeigte uns den Bauernhof, einen wunderschönen Fachwerkbau aus dem Jahre 1798, seine Kunstwerke, eine Gämse, einen Senn, eine Kuh, einen Hund aus Beton in Lebensgröße, sowie seine wunderschönen und lebendigen, Milch liefernden Ziegen und den kleinen Ort. Ruth kochte auf, erklärte uns die Familiensituation und führte uns am nächsten Vormittag durch den schönen Thurgau zu Tochter und Enkerl an den Bodensee, wo wir eine angenehme Badestunde mit weiteren Erzählungen aus Ruths Leben genossen. Die Trennung nach nur einem gemeinsam verbrachten Tag war warm und herzlich, wie es sich für einen Servas-Abschied, der immer die Hoffnung auf ein Wiedersehen enthält, gehört. „Hallo, welches Monat haben wir?“ Eine sonderbare Begrüßung erhielten wir am nächsten Abend im tirolischen Durchholzen von Manfred Sagl! Und dann kam es dick: „Juni“. „“Richtig“, antwortete er freundlich, „aber ihr habt euch für 28. Juli angekündigt. Seid ein wenig eurer Zeit voraus!“ Ja, sowas kann einem im Übereifer von Servas-Reise-Vorbereitungen passieren. Mehr als peinlich war uns das. Nur Manfred hat unsere missliche Lage großartig geschaukelt: er erklärte die Situation für eine Generalprobe und die Aufführung wäre dann einen Monat später! Der Kühlschrank spuckte einige essbare Lebensmittel aus, Manfred brachte sie in köstlich gegrillte Form, wir verzehrten sie genüsslich, jedoch beschämt; die kleine Wanderung durch die liebliche almige Landschaft beruhigte unsere aufgewühlten Gemüter; der Abend war gerettet. Für Manfred Sagl beantragen wir den höchsten Servas-Orden fürs Meistern verflixter Situationen mit unerwarteten Gästen. Wir müssen allerdings hoffen, dass wir nicht wegen ungenauer Vorbereitung ausgeschlossen werden!

Servas Die Welt zu Gast - Zu Gast in der WeltHotel ChurfirstenblickAufbruchdas alte BauernhausServas International

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Berlin inside

* von Sophie Reisinger *

Ich war von 7.-13. April 2011 in Berlin

und habe bei Berthold Breid Unterkunft gefunden. Ich wurde sehr herzlich empfangen, wurde mit vielen guten Insider-Tipps versorgt und hatte eine echt gute Zeit. Obwohl Berthold sehr beschäftigt ist, war es ihm doch wichtig mir immer wieder etwas seiner Zeit zu schenken. Habe so auch viel vom Berliner Leben abseits der Touri-Hotspots kennen lernen können und bin sehr dankbar!

Es ist für mich eine ganz besondere Qualität mit Servas zu reisen!

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Mit Servas in New Hampshire und Montreal

* von Lorenz Glatz *

Oktober 2010. Wir haben nach zehn Tagen bei Quebec City in einer Tauschwohnung und Tauschpartner in ihrem Ferienhaus in Maine besucht. Dann sind wir auf der Fahrt nach Center Conway in New Hampshire am Rand der White Mountains durchs herbstbunte Neuengland. Wir folgen der Wegbeschreibung unseres Servas Hosts Marilyn.

Sie wohnt in einer Condo-Anlage außerhalb des „Zentrums“ dieser weit verstreuten Stadt. Wir finden ziemlich problemlos hin. Mit der Automatik unseres Mietautos komm ich inzwischen recht gut zurecht. Gottseidank, denn öffentlich kommt man dort schlicht nicht hin, und fürs Autostoppen sind wir ein paar Jahr zu alt und wackelig. Unser „medium car“, ein Hyundai xy, ist laut Hedi riesig, aber läuft dafür sehr leise, was weniger anstrengt. Marilyn begrüßt uns herzlich, und mit einem reichlichen Abendessen auch. Sie ist in unserem Alter, erzählt viel und hört auch gerne zu. Wie wir schlafengehen, wissen wir eine ganze Menge über der jeweils andern Leben. Schließlich hat man nicht alle Tage Gelegenheit, wem davon auch die weniger schönen Seiten zu erzählen.

Morgens ist das Frühstück von Marilyn schon vorbereitet (Bagels oder wie man die runden Dinger vielleicht noch schreibt, Kaffee, und Cider – ob das bei uns auch wer schon zum Frühstück trinkt?), sie ist katholisch und trägt vor jeder Mahlzeit einen längeren Predigt-Spruch zum Tag vor. Sie lässt uns auch einen Zettel mit einem kurzen Spruch zum Tag ziehen, der uns leiten soll. Ich bin zwar areligiös, aber vielleicht kann ich so was adaptieren. Ich warte auf den nächsten Servas-Gast.

Die economy sei sehr schlecht jetzt, erzählt Marilyn, viele Leute sind arbeitslos. Ihre Kirchen-Community kümmere sich um Bekannte in Not, das seien jetzt
sehr viele. Sie ist in Pension, das schützt vor Arbeitslosigkeit, aber veranlasst sie zugleich, nach einem Zusatzverdienst zu suchen. Wer kann, der arbeitet auch zwei und drei Jobs, damit es reicht. Auch die Kochkunst verfalle ganz, weil die Leute so viel arbeiten müssen.

Sie hat uns für eine Wanderung angemeldet, die in der Lokalzeitung angekündigt ist, weil sie aus unseren „Letters of Introduction“ entnommen habe, dass wir gerne wandern. Aus dem von Hedwig natürlich. Die Führerin dort kenne sie von Servas. Sie fährt Hedi mit ihrem Auto nach Chatham, gibt ihr Unmengen an Erklärungen zum Merken. Ich fahre hinterdrein. Sie stellt uns den beiden Guides des hike’s vor. Beide Lehrerinnen. Insgesamt sind wir so eineinhalb Dutzend Leute, die meisten in unserem Alter. Zweieinhalb Stunden Marsch zum Mountain Pond, z.T. über die Tracks für Snow Mobiles. Die sind hier (und
auch in Maine – nach den Verkehrszeichen und Verkaufsflächen zu schließen, an denen wir gestern vorbeigefahren sind) sehr populär. Im Winter dröhnen sie dann durch den Wald und sind vermutlich so wenig abzuschaffen wie bei uns die Schlepplifte, Seilbahnen und Schipisten. Der Weg ist gatschig, weil, wie wir immer wieder hören, ein ungemein nasser Herbst ist. Es ist ein staatlicher Naturpark, daher eine Art Urwald. Die Führerinnen liefern nach Lehrerart zeitweise eine Doppelconference an Erklärungen, wo die Mooses (die hiesigen Elche) schlafen und dergleichen, eine spricht mir wie schon jemand in Kanada davon, dass wir in Europa so große „Probleme mit den Moslems“ haben.

Wir reden mit Mitwandernden, da sind auch drei Deutschstämmige drunter, die aber nur englisch reden, und eine Frau, die in Garmisch für die US-Army gearbeitet hat. Die spricht deutsch. Einer der ersteren erzählt, dass seine Mutter Mitte der Dreißigerjahre extra nach New York gefahren ist, damit sie ihn dort
gebiert und er US-Bürger ist. Darauf hätten sie noch drei Jahre in Deutschland gelebt und seien erst ’38, als die Eltern den Hitler nicht mehr ausgehalten haben, in die Staaten gezogen. Während des Kriegs hätten ihn aber andere Kinder, weil sie ihn deutsch reden hörten, an einen Telefonmast gebunden und als Nazi beschimpft und misshandelt. Darauf hätten die Eltern beschlossen, dass die Familie nur mehr Englisch spricht. Er sei seither nie mehr nach Deutschland gefahren. Seine Frau sagt: Und so machen wir es heute mit den Moslems. Endlich hör ich einmal was Gescheiteres zum Thema.

Der Teich, unser Ziel, ist einsam – kilometerweit kein Haus – und völlig von Strauchwerk umstanden. Wir bahnen uns einen Weg durch, aber direkt ans Ufer können wir nicht – zu gatschig, weil – eh schon wissen…

Nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt gehen wir das letzte Stück bis zum Treffpunkt Kirche zu Fuß, die anderen steigen in die vier Autos, mit denen wir hierhergefahren sind, um dann unten noch mehr Autos für die Heimfahrt zu starten. Anders hätten wir alle ja nicht herkommen können. Wir suchen auf der Rückfahrt die Fryeburg Fair, die jährliche landwirtschaftliche Messe dieser Gegend, wo Mariyn heute arbeitet, finden sie nicht, aber dafür eine Tankstelle und dann einen Imbissladen mit diversem Fastfood in Center Conway. Schließlich „nach Hause“. Wir laden Marilyn zum Abendessen in ein großes Hotel mit angeschlossenem Vergnügungspark ein. Wir tafeln am Buffet all inclusive außer Wein und Nachspeise. In Venedig haben Hedi und ich allein soviele € wie hier $ für weit weniger hingelegt. Die jungen Leute der Bedienung (Wein, Dessert) sind angenehm unbefangen und freundlich. Im Foyer zeigt uns Marilyn, während wir auf einem Riesensofa sitzen und die Kinder der jungen Leute, die hier das Wochenende im „Indian Summer“ verbringen, herumwuseln, Familienfotos. Dann nächtliche Fahrt auf die Main Road von North Conway, einem Touristenzentrum mit breiten Straßen und großem Bahnhof. Bloß wird der letztere nur noch von lokalen
Sightseeing-Zügen für die Touristen frequentiert, die Linie nach Boston ist schon lange eingestellt.

Hier hat ein Elch geschlafen. Wow!

der Bergsee - ohne Wirtshaus, Strand und Booten
Frühstück mit Marilyn. Sie laubt, dass die „Streifzüge“, die Zeitschrift, für die ich schreibe, natürlich (auch) englisch erscheinen. Wär nicht schlecht, wenns so wär, denke ich. Sollt ich unseren Leuten vorschlagen. Abfahrt nach North Conway. Wir steigen gleich wieder aus und besuchen den Viktualienmarkt mit seinen vielen lokalen Produkten an der Hauptstraße von Center Conway. Maple-Sirup und was man damit veredeln kann (fast alles), all das gibt’s auch hier, nicht nur in Canada.

Weiter in die Berge nach Crawford Notch. Wir steigen aus, zuerst bei einer Informationshütte, dann sozusagen beim hiesigen Alpenverein, der dem Fotografen Washburn für seine Hochalpinfotos aus den Rocky Mountains und den europäischen Westalpen einen großen Saal gewidmet hat. Der traumatisierte Ex-Deutsche auf der Wanderung hat uns drauf hingewiesen, deswegen sind wir hier. Washburn hat sich in den Dreißigern waghalsig aus seinem Flugzeug gehängt (Helikopter hat’s noch nicht gegeben), um diese Bilder zu machen. Und seine Frau war mit von der Partie. Als Pilotin? Muss ich im Internet nachschauen.

Weiter nach Bretton Woods. In dem pächtigen Mount Washington Hotel haben die Westalliierten 1944 die Währungsordnung für den Nachkrieg festgelegt:
Goldbindung des Dollars, Dollarbindung aller anderen Währungen, IWF und Weltbank als Instrumente. Keynes hat sich als Vertreter der untergehenden Vormacht
nicht so recht in Szene setzen können, aber in einer proamerikanischen Variante hat sein Schema durchaus reüssiert. Das mit dem Dollar hat nur bis 1971
gehalten, seitdem aber ist Geld nicht mehr das Zeichen für eine Geldware, sondern ein Glaubenssatz der heiligen Kirche der Marktwirtschaft. Aber offenbar hält auch das unwahrscheinlichste Dogma recht lang, wenn selbst der Alltag auf ihm aufgebaut ist. Auf der Infotafel an der Straße ist von 1944ff. erstaunlicherweise kein
Wort zu lesen, wohl aber davon, dass vor 100 Jahren hier 57 Züge am Tag Station machten und es als eins der luxuriösesten Hotels der Staaten galt. Wir spazieren hin, ziemlicher Betrieb von Leuten, die die Anlage des Luxushotels besichtigen. Die Luxusleute selbst sind nicht zu sehen. Vielleicht meiden sie uns Pöbel.

Wir fahren auf der New Hampshire-Seite ein recht einsames Tal, die Grenze zu Vermont, entlang nach Norden. Wir wollen nämlich vor Montreal noch nach Sainte Edwidge (!), den einzigen Ort, von dem wir bis dato wissen, dass er nach Hedwig heißt. Über einen recht verschlafenen Grenzübergang (hier kontrollieren nur die
Kanadier) mit einem unterbeschäftigten, dafür umso freundlicheren, hilfsbereiten Grenzer, der uns sogar noch auf der Karte die Route nach Ste. Edwidge zeigt. Wir sind zurück in Canada/Quebec. Bei der Ortstafel der Heiligen ereignet sich ein Wunder – ein Fußgänger kommt daher und geht schweigend vorüber; der junge Mann geht gut und gern einen halben km zu Fuß, vielleicht sogar noch mehr!. Foto, weiter zur Kirche (zugesperrt, so sind sie, die heutigen Pfarrer) und wieder ein Foto.

Weiter Richtung Autobahn nach Montreal, langer Stau vor einer Verengung bei Richelieu. Eine Stunde zu spät, um acht bei Lorraine und Hubert, die uns angeboten haben, uns drei Nächte zu beherbergen. Unterwegs haben wir zweimal angerufen, um nähere Erläuterungen zur Route zu bekommen. Eine käufliche Karte von Montreal haben wir nämlich in Quebec nicht gefunden. Große Nachfrage danach scheint in Zeiten von gps nicht mehr zu herrschen.

Die beiden reden nur das hiesige Französisch. Dass ihr Englisch mies ist, haben sie ja schon im Mail mitgeteilt. Verwunderlich ist es bei zwei Akademikern in einem Land wie Kanada aber schon. Noch dazu, wenn sie im Westen Montreals wohnen, wo Englisch nicht wirklich eine Fremdsprache ist. Aber viele Quebecois sind schon lange dem Englischen nicht grad aufgeschlossen. Für sie ist es das Zeichen ihrer Unterwerfung. Kleines Abendessen. Ich bin erschöpft, schlaf gleich ein.

Marilyn mit Lady und Hedwig beim Abschied in Center Conway

Das Bretton Woods-System, ich und der Hyundai

Das Bretton Woods-System, ich und der Hyundai

die heilige Hedwig auf dem Weg...

die (schein)heilige Hedwig auf dem Weg…

...zu ihrer Pfarrkirche

… zu ihrer (versperrten) Pfarrkirche

Lorraine und Hubert empfangen uns in Montreal

 

Gemeinsames Frühstück. Wir bekommen die Fahräder Huberts und Lorraines, das ist eine freudige Überraschung! Wir fahren auf den Atwater Market, Hedi kauft Dessert fürs Abendessen. Die Händler reden alle französisch, zu Kunden zu einem nicht geringen Teil Englisch. Das Geschäft scheint davon nicht behindert. Kürbisse aller Größen – gäbe es Halloween nicht, man hätte es hier schon längst erfunden. Weiter nach Vieux Montreal weiter. Notre Dame boykottieren wir, weil sie 5 Dollar Eintritt wollen. Dejeuner bei der Cité de la Science. Drinnen Theken verschiendener Fastfood-Ketten. Wir schauen auf den Mexikaner. Taco Bell ist es nicht, den unser Älterer uns so ans Herz gelegt hat. Was die Namen der Speisen bedeuten, ist uns auch nicht klar. Wir gehen auf Nummer sicher und bedienen uns beim
französischen malbouffe. Wir lunchen im Freien bei schöner Aussicht über den weiten Platz auf Vieux Montreal.
Die Möwen sind aber zudringlich wie Spatzen, wenn man sie nicht verscheucht. Was nicht alle tun. Der Platz ist bald von den kreischenden Viechern umzingelt.
Ich knipse, dann ergreifen wir die Flucht. Seit Hitchcock weiß man ja, wozu Möven so imstande sind.

Wir suchen und finden Montreal Central, wo der Greyhound abfährt. Besorgen Karten für Mittwoch. Fahren herum, finden uns schließlich en plein soleil in einer kreativen Atmosphäre rund ums Museum für zeitgenössische Kunst. Da smst der Junior und moniert die Wichtigkeit, Taco Bell zu versuchen. Antwort an beide Youngsters, dass wir unser Bestes tun.

Durch die kleine Chinatown. Viele, vor allem alte Männer sitzen an der Straße in Lokalen und unterhalten sich, an einer Stelle wird über Unterdrückung in China aufgeklärt und werden Unterschriften gesammelt. Bald dahinter finden wir die Stelle, wo wir morgen unser Auto zurückgebe können. Wir nehmen auf einem schönem Platz in der Altststadt Kaffee, ich einen mit Brandy, zu uns und schauen von unserer Terrasse aus einem Schausteller zu, der mit vielen, offenbar witzigen Reden und etlichen Kunststücken gut fünfzig Leut in seinen Bann zieht. Wir radeln schließlich den Kanal entlang nach Westen in die sinkende Sonne. Schöne, weite Parks und Häuser a la Anglaise. Stellenweise sitzen, spazieren, plaudern viele Leute, verbringen ihren Feierabend. Kommen mit nur 5 Minuten Verspätung zurück.
Opulentes Abendessen, lange Gespräche, von denen ich nur Bruchstücke plus ab und zu eine Übersetzung von Hedwig verstehe. Mein Französisch ist auch so schon mies, bei Quebecois steige ich leider aus. Hubert ist ehemaliger Knabenseminarist wie ich, hat sogar mit Theologie angefangen. Auch seine Haltung zur Kirche hat sich ähnlich entwickelt wie meine. Was er über die dominierende Stellung der Kirche in seiner Kindheit erzählt, erinnert mehr noch ans Österreich der Monarchie als an die Zustände meiner Kindheit. Viel davon übrig scheint aber fünfzig Jahre später nicht mehr zu sein. Es ist hier offenbar schneller
gegangen.

Die Flora drängt zu Halloween...

Die Flora drängt zu Halloween…

...die Fauna zum Fastfood

…die Fauna zum Fastfood

In Wien hätte die Kronenzeitung solche Architektur verboten.

In Wien hätte die Kronenzeitung das als „Architektur von Wilden“ sicher gleich verboten.

 

Frühstück. Langes Gespräh, ich bin über lange Strecken stummer Zuhörer und bemühe mich klüger dreinzuschauen, als ich mich fühle. Wir bringen das Auto zurück. Es stellt sich heraus, wir hätten es eh noch einen Tag behalten können. Ein deutsches Touristenpaar spricht uns an, sie sind zur Hochzeit ihres Sohnes da. Glücklich schauen sie aber nicht aus. Wir machen uns mit der Metro auf den Weg zum Theater Espace Go, essen in einem Café ganz in der Nähe, reservieren in dem von Stephanie Jasmin (der Tochter unseres kanadischen Tauschpartners in Quebec City) empfohlenen Restaurant fürs Diner nach der Vorstellung. Stephanie hat nämlich mit ihrem Mann aus den „Prinzessinnendramen“ Jelinek den Teil über Jackie (Kennedy-Onassis) inszeniert und für uns Gästekarten bei der Kassa hinterlegt.

Wir wandern zum Mont Royal, englisches Viertel, auch auf dem riesigen Friedhof am Abhang zu einem großen Teil englisch beschriftete Grabsteine, der Anteil an Juden für uns ungewöhnlich hoch. Auch Griechen, Chinesen und andere belegen zumindest Grätzl. Wir suchen und finden ein Loch im Zaun und vermeiden so den Rückweg zum Ausgang unten. Wir wollen schließlich hinauf zum „Gipfelkreuz“. Wirklich Gipfelkreuz, ein ringsum abgezäuntes gut 30m hohes Kreuz aus Stahlstreben mit viel katholisch-französischer Vergangenheit, seinerzeit als Aussichtswarte in Kreuzform geplant, jene wurde eingespart, das Kreuz jedoch umgesetzt. Es ist – gut barock sozusagen – auf Wirkung von der Ferne und auf die Beleuchtung in der Nacht ausgerichtet, nicht darauf, von der Nähe betrachtet zu werden – der Drahtzaun ist ein Ausbund an Hässlichkeit. Wir finden aber schließlich doch eine wunderschöne Aussichtsterrasse. Ein anderes deutsches Touristenpaar hat uns gesagt, wie wir hinkommen. Ein Straßensänger singt für uns Sounds of silence. Wir geben dem Typen „eine Handvoll Dollar“. Tja, an der Lust zu so einem Leben hätt es mir nicht gefehlt in meinen Zwanzigern (wenn auch sicher nicht als Sänger). Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so… Na gut, dafür gibts die Söhne, die liebste Schwiegertochter und die Enkel- auch nicht grad sorgenfrei, aber sehr lebendig.

Wir kommen runter zur McGill-Universität. Sie ist englisch und wie man an den Gebäuden und Anlagen schon von oben unschwer sieht, englisch und stinkreich. Und das obwohl laut Führer ein Gutteil der englischen Bourgeoise in der „stillen Revolution“ der Siebziger und rund um das Separations-Referendum in den
Neunzigern vor dem aufgewerteten Französisch nach Toronto geflüchtet ist.

Mit der Metro zurück zum Theater. „Jackie“ beeindruckt mich, die Geschichte einer Frau, die gelebt wird, sich leben lässt – auch wenn ich am Französischen durchgehend gescheitert bin. Ich hab die Rezension im „Devoir“ gelesen (das ist unglaublich viel leichter als etwas auf Französisch, erst recht auf Quebecois zu hören). Die russischen Puppe und die Suche nach dem Kern, von der dort die Rede ist, überzeugt mich nicht. Jelinek scheint es doch eher um die Hohlheit zu gehen, die dort ist, wo angeblich jener Kern zu finden wäre. Vielleicht meint sie sogar, der Mensch hat keinen ideellen Kern, und tatsächlich kann man wohl viel leichter noch von seinen biologischen Grenzen oder einem biologischen „Kern“ reden. Ideell ist er ein Wesen mit vielen Möglichkeiten, was realisiert wird, ist immer ungewiss. Möchte die Prinzessinnendramen Jelineks gern lesen, naja sagen wir: die Jackie. Das dreifache „Image“ – die Frau in den Journalen, die Frau auf der Bühne, die Frau auf der Leinwand ist gute Regie. Wir gehen ins Restaurant und reden lange über das Stück. Mit der Metro „heim“, es ist schon 11.

koloniale Repliken: Notre Dame á la Parisienne...

koloniale Repliken: Notre Dame á la Parisienne…

und Reine du Monde alla Romana (außer dem Hochhaus hinten freilich)


„Mordecai, may your affirming flame glow forever“

 


Blick vom Mont Royal auf Montreal (vom „königlichen Berg“ auf „Königsberg“)

Jackie von Elfriede Jelinek mit Sylvie Léonard im Theater l’Espace Go


Das Viertel rings um das Espace Go

Frühstücken, einpacken. Hubert bringt uns mit dem Auto zum Greyhound, der eine ¾ Stunde vor der von mir im Netz gefundenen Zeit abfährt. Wir sind aber immer noch eine ¾ Stunde davor dort. Es geht weiter nach Vermont zu Verwandten, dann noch Tauschpartnern bei New York, dann heim zur Family, sonst vergisst uns der kleinere Enkel am Ende noch.

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